• 200 Jahre nach der Säkularisation


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    • Abstract: 1200 Jahre nach der SäkularisationKloster Meer – Haus MeerEin Ort mitten im Herzen der Stadt Urkundlich belegt ist die Schenkung derMeerbusch Burg Meer an die Kölner Kirche durch

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200 Jahre nach der Säkularisation
Kloster Meer – Haus Meer
Ein Ort mitten im Herzen der Stadt Urkundlich belegt ist die Schenkung der
Meerbusch Burg Meer an die Kölner Kirche durch
Hildegunde von Meer im Jahr 1164. Die
- dem diese Stadt ihren Namen Schenkung ist mit der Bedingung
verdankt, verknüpft, auf der Burg ein Frauenkloster
- der archäologische Denkmäler aus zu errichten, das dem Kloster Steinfeld
mindestens 2000jähriger unterstehen soll. 2
Geschichte aufweist,
- der auch heute noch einmalige Die Veröffentlichungen von Hugo Borger
Baudenkmäler beherbergt, und die Auswertung seiner
- der einen Park von überregionaler Grabungsberichte durch Martin Vollmer-
Bedeutung besitzt, König vom Rheinischen Amt für
- der für beide christliche Bodendenkmalpflege im Rahmen des
Konfessionen bedeutsam ist, Gutachtens, das die Stadt Meerbusch 2001
- der durch seine mehr als 600jährige in Auftrag gegeben hat, vermitteln ein
klösterliche Geschichte Einfluss auf genaues Bild der Baugeschichte des
alle Stadtteile Meerbuschs und Klosters. Durch diese Untersuchungen
auch auf die Nachbarstädte gehabt wird auch ein wenig Licht auf die römische
hat, Vergangenheit geworfen.3
- kurzum das einzige
Gesamtdenkmal dieser jungen
Stadt-
Von 1166 bis zur Säkularisation 1802
dieser Ort ist aus einer glanzvollen, bestand das Prämonstratenserinnen-
bedeutenden Vergangenheit in eine triste, Kloster. Seit seiner Gründung besaß es
bedrohliche Gegenwart gekommen. zahlreiche Privilegien, die zu seiner
geistigen, geistlichen und wirtschaftlichen
Historischer Überblick
Hoffmann, Paul, Rameil, Robert, Schriftquellen zu
Die Geschichte von Haus Meer vor der
dem Gelände von Haus Meer, in Haus Meer in
Klostergründung 1166 ist wissenschaftlich Meerbusch, Dokumentation und Analyse, Nr. 3 der
nicht aufgearbeitet. Auch bei den Schriftenreihe des Geschichtsvereins Meerbusch,
Beziehungen zwischen der S.18ff
2
mittelalterlichen Niederungsburg (Motte) Vgl.
in der verlandeten Altrheinschlinge und Föhl, Walther, Die Bedeutung Meers im Spiegel
seiner Besitzungen, in: Hildegunde von Ahr und
dem Kloster auf der Niederterrasse, die Meer, Geschichtsverein Meerbusch, Meerbusch
sich 3-4m über die Altrheinschlinge erhebt, 1987, S.36
gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen.1 3
Borger,Hugo, Die archäologischen
Untersuchengen des Prämonstratenserinnenklosters
Meer, a.a.O., S.11ff
Borger, Hugo, Das Prämonstratenserinnenkloster
1
Vgl. St. Laurentius zur Meer, in: Der Nieserrhein, Heft
Reichmann,Christoph, Die Niederungsburg bei 2, 1965, S.41ff
Haus Meer, Krefeld 1998 Vollmer-König, Martin, Archäologie in Haus Meer,
Borger, Hugo, Die archälogischen Untersuchungen in: Haus Meer in Meerbusch, Dokumentation und
des Prämonstratenserinnenklosters Meer,in: Analyse, Nr. 3 der Schriftenreihe des
Büderischer Heimatblätter Heft 5, 1963 Geschichtsvereins Meerbusch, S.104ff
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2
Bedeutung entscheidend beitrugen.4 In Vermögenssäkularisation – durch eine
allen Stadtteilen des heutigen Meerbusch weltliche Staatsgewalt. Im Laufe der
besaß das Kloster große Ländereien. Es Geschichte gab es immer wieder solche
war die größte Grundbesitzerin in diesem Verstaatlichungsaktionen, z.B. unter dem
Raum. 5 Das Kloster hatte auch seit seiner katholischen Kaiser Joseph II. in den
Gründung großen Einfluss außerhalb des österreichischen Erblanden. In der Regel
heutigen Stadtgebietes. Am Beispiel dienten die Enteignungen der Sanierung
Krefelds lässt sich das deutlich aufzeigen. der Staatsfinanzen. Auch die
Mit dem Münkerhof (Möniker- oder Säkularisation 1802/03 durch den
Mönchshof) besaß das Kloster 1/5 der französischen Staat in unserem Gebiet
Grundfläche der „Herrlichkeit“ Krefeld. diente genau diesem Zweck.
Damit verbunden war ein Viertel des Rechtliche Grundlage für die
Patronatsrecht über die Pfarrkirche zum Säkularisation im linksrheinischen Gebiet
Heiligen Dionysius. Schon im 13. war einerseits der Friede von Lunéville
Jahrhundert war Kloster Meer die alleinige 1801, wonach die vier rheinischen
Patronatsherrin. Das Kloster erhielt den Departements völker- und staatsrechtlich
sich daraus ableitenden Zehnten – wir zu Frankreich gehörten. Andererseits
würden heute von Kirchensteuer sprechen spielte das Konkordat zwischen Papst Pius
– und sämtliche Abgaben und VII. und Napoleon eine nicht
Dienstleistungen der Höfe und Katen. unwesentliche Rolle. Darin sanktionierte
Diese Rechtsbeziehungen blieben bis zur der Papst die schon stattgefundenen
Säkularisation bestehen.6 Enteignungen im französischen Kernland
Große Schäden erlitt das Kloster im und sicherte ein Stillhalten bei zukünftigen
Truchsessischen Krieg 1593 und auch im Maßnahmen zu. Entscheidend war daneben
30jährigen Krieg. Aber es gelang immer der Konsularbeschluss vom 9.Juni 1802.
wieder, das Kloster aufzubauen und sogar Im Artikel 1 wurde die Aufhebung
zu erweitern. sämtlicher geistlicher Institutionen in den
1802 erfolgte die Aufhebung des Klosters vier rheinischen Departements verfügt.
durch Beamte des Domänenbüros Ausgenommen wurden Bistümer,
Neuss.7Zu diesem Zeitpunkt lebten noch Pfarreien, Kathedralkapitel und
15 Prämonstratenserinnen mit einem Priesterseminare. Im Artikel 2 wurde die
Kaplan, einem Prior und 20 Bediensteten Nationalisierung des Besitzes der
im Kloster. aufzuhebenden Stifte und Klöster
angeordnet. Auch hier gab es wieder
Säkularisation Ausnahmen; geistliche Einrichtungen, die
sich ausschließlich dem Unterricht oder der
Der Begriff der Säkularisation bezeichnet Krankenpflege widmen, wurden nicht
die Aufhebung der geistlichen Herrschaft aufgehoben.
und die Enteignung des geistlichen
Besitzes – Herrschafts- und Besetzung des Klosters
4
Am 4.Juli 1802 erfolgte die öffentliche
Vgl. Bekanntmachung des Konsularbeschlusses
Hellmich, Theodor, Geschichte Büderichs,
Wattenscheid 1953, S. 35ff und unmittelbar anschließend die
5
Schild-Specker, Barbara, Klosterfrauen und Umsetzung8 – im Falle von Kloster Meer
Säkularisation, Essen 1996, S. 148ff am 20.August 1802.
6
Rutten, Norbert, Wo kommst du her – Von Kloster Eine Untersuchung über die Umsetzung
Meer, in: Die Heimat – Zeitschrift für der Säkularisation gibt es in unserem
niederrheinische Kultur- und Heimatpflege,
Jahrgang 54/1983, S. 16f
8
vgl. Föhl, Walther, Vom Münkerhof in Krefeld, in: Mölich,Georg, Oepen,Joachim, Rosen,Wolfgang
Die Heimat…, Jahrgang 227/1956, S.157-161 (Hg), Klosterkultur und Säkularisation im
7
Schildt-Specker, Barbara ,a.a.O., S. 171f Rheinland, Essen 2002, S. 20f
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3
Gebiet für die Stadt Neuss. Dr. Gabriele B.
Clemens beschreibt detailliert die Verkauf des Klosters
französische Verkaufspolitik, zählt
Gewinner und Verlierer dieses Prozesses Alle Versteigerungen für das
auf und malt ein Bild der Neusser Bürger, Roerdepartement fanden in Aachen statt.
die Besitz erwarben.9 Der Wert eines Nationalgutes wurde durch
Die politische Lage zu Ende des 18. eigens bestimmte Schätzer ermittelt. Die
Jahrhunderts hat zu einem gewaltigen Versteigerungen wurden durch Aushänge
Umstrukturierungsprozess geführt. Von in dem betreffenden Ort bekannt gegeben.
1794 bis 1814 standen die linksrheinischen Die Reise nach Aachen war zur damaligen
Gebiete unter französischer Zeit langwierig und beschwerlich. Die
Herrschaft.1794 besetzten die Verhandlungen in Aachen fanden in
französischen Truppen Kloster Meer. Die französischer Sprache statt. Das alles
Mitglieder des Klosters waren vor den waren Gründe, warum einfache Bauern
anrückenden Truppen auf rechtsrheinisches oder kleine Bürger nicht an den
Gebiet geflohen. Das Kloster war den Versteigerungen teilnehmen konnten.
Plünderungen der Soldaten aber auch der Außerdem wurden in Aachen große
Nachbarschaft ausgesetzt. 1795 kehrten die Besitztümer versteigert, die hohe
Bewohner von Kloster Meer zurück. Ihre Kapitaleinsätze erforderten.
Gebäude fanden sie zweckentfremdet als Der Verkauf des Klosters Meer war für den
Pulvermagazin vor. französischen Staat ein Glücksfall. Denn
Mit der Besetzung durch die französischen die Gebrüder Konrad Isaak und Friedrich
Truppen endeten 1794 die klösterlichen Heinrich von der Leyen zahlten statt der
Herrschaftsrechte. Für Kloster Meer geschätzten 70.000 Francs 180.000 Francs.
bedeutete es, dass z.B. viele Pächter keine ( Zur Höhe des Kaufpreises: ein
Abgaben leisteten. Dennoch war das Tagelöhner verdiente zu dieser Zeit 1
Kloster so gut gestellt, dass es die hohen Francs pro Arbeitstag. ) Für die Mitglieder
Kontributionszahlungen ohne des Konvents, die Geistlichen und die
Kreditaufnahmen begleichen konnte. Bediensteten sah die Situation natürlich
Im August 1802 erfolgte der zweite Teil ganz anders aus. Barbara Schildt-Specker
der Säkularisation – die Enteignung des zeichnet ein Bild über die Auswirkungen
klösterlichen Vermögens. Am 20.August der Säkularisation für diesen
1802 erschienen zwei Beamte des Personenkreis. 11
Domänenbüros Neuss und teilten dem
Konvent die formelle Auflösung und die
sofortige Vollstreckung mit. Es dauerte
drei Tage, um die Vermögenswerte des
Klosters festzuhalten.
Das Kloster war zu diesem Zeitpunkt
schuldenfrei, es war die größte
Grundbesitzerin im heutigen Meerbusch,
hatte Immobilien im Bereich Krefelds und
immer noch Zinsforderungen an die
umliegenden Städte.Insgesamt verfügte das
Kloster damit über 2176 Morgen Land mit
den dazu gehörigen Rechten.10
9
Clemens, Gabiele B., Die Säkularisation in Neuss,
in: Jahrbuch für den Kreis Neuss 2002,
11
Kreisheimatbund Neuss, S. 72-81 Schildt-Specker, Barbara, Geistliche
10
Schildt-Specker, Barbara, Klosterfrauen und Frauengemeinschaften und die Säkularisation von
Säkularisation,vgl. Anm.5, S. 149f 1802, S.149,in: siehe Anm.5
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4
Eigentümer nach der Säkularisation
Die Familie von der Leyen veränderte das
Areal von Kloster Meer gravierend.
Zunächst wurde die Kirche niedergelegt.
Später auch der Kreuzgang entfernt. Die
Konventsgebäude wurden zu einem
herrschaftlichen Schloss umgestaltet. Das
Gelände innerhalb der Immunitätsmauer
wurde nach den Plänen von Josef Clemens
Weyhe in einen englischen
Landschaftspark umgestaltet.
Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts
wohnte Friedrich Ludwig Gustav Freiherr
von der Leyen-Bloemersheim als erster der
Familie bis zu seinem Tod 1935 in Meer.
Als „Mitglied des preußischen
Herrenhauses, Kommunalpolitiker,
Abbildung 1: Bürgermeisterei Büderich, Landrat, Deichgräf, Vorstand zahlreicher
Nummerierungsplan 1834 (STA Mb, KPL 3 ) Vereine und Vorsitzender großer
1804 kauften die Gebrüder Konrad Isaak karitativer Verbände und Einrichtungen
und Friedrich Heinrich Freiherrn von der setzte er wichtige Zeichen“12in der
Leyen den Klosterkomplex mit Gärten und damaligen Gemeinde Büderich. Sein Sohn
Ländereien. Bis 1960 blieb der Besitz des Joachim wohnte nicht mehr in Haus Meer,
ehemaligen Klosters in der verzweigten und so wurden 1935 Bereiche des
Familie. Die von der Leyens bewohnten Schlosses vermietet.
Kloster Meer zunächst nicht. Unter den Im August 1943 wurde das Schloss und
Käufern der „Nationalgüter“ waren viele Teile der Wirtschaftsgebäude bei einem
Großbürger und Fabrikanten, die diesen Luftangriff schwer beschädigt. Während
Erwerb als zusätzliche Sicherheit ansahen.
Wahrscheinlich galt das auch für die
Gebrüder von der Leyen, die ja in der
besonders konjunkturanfälligen
Textilindustrie engagiert waren. Daneben
garantierte Grundbesitz auch politischen
Einfluss. Im Falle von Haus Meer blieb das
Landtagsmandat für Moers auch nach der
Säkularisation bestehen.
Abbildung 3: Schloßruine 1943 (STA Mb,
Fotoarchiv Haus Meer)
die Wirtschaftsgebäude zum großen Teil
wieder hergerichtet wurden, blieb das
Abbildung 2: Zeppelinaufnahme 1913 (STA
Mb, Fotoarchiv Haus Meer)
12
www.schloss-bloemersheim.de/meer/haus3
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5
Schloss Ruine. Die Reste wurden 1959 Tochterfirmen mit Sitz in Köln, Essen,
gesprengt und eingeebnet.13 Berlin, Flensburg. 1989 erwarb die ITG
Immobilien-Treuhand GmbH und Co,
Schlosspark Haus Meer KG, aus
Düsseldorf in Kooperation mit der BfG
Bank Düsseldorf das Grundstück.
1992 veranlasste die Finanzverwaltung die
Eintragung eines Zwangsver-
steigerungsvermerks ins Grundbuch.
Im August 1994 betrieb die verwertungs-
berechtigte BfG-Bank das Zwangsver-
steigerungsverfahren. Im November 1994
erwarb die Agne-Wahlen-Gruppe aus Köln
das Grundstück, die bis heute Eigen-
tümerin blieb.
Umgang mit Denkmälern
Abbildung 4: Abbruch des Schloßes 1959
(STA Mb, Fotoarchiv Haus Meer)
Es folgte eine katastermäßige Trennung
des parkähnlichen Grundstücks vom Formale Strukturen für den Erhalt und die
Gutshof Meer. Pflege von Kulturgütern gab es schon
1960 verkaufte Huberta Freifrau von der lange. Nur fand der Denkmalschutz sehr
Leyen das Parkgrundstück mit dem selten bei politisch Verantwortlichen und
Gartenpavillon, den Resten der Remise der Mehrheit der Bürger Unterstützung.
und der Immunitätsmauer dem Schon weit vor dem 2. Weltkrieg wurde
Gesamtverband der evangelischen die Gemeinde Büderich ermahnt, die
Kirchengemeinden in Düsseldorf. In der Ausgrabungsgesetze vom 26.3.1914 mit
Tradition des ehemaligen Klosters sollte den Ausführungsbestimmungen vom
eine kirchliche Begegnungsstätte 30.5.1920 und dem Durchführungserlass
entstehen.14 vom 11.3.1927 zu beachten. 15.
Von diesem Zeitpunkt an wurde das
ehemalige Kloster mit seinem Park immer
mehr zum Spielball wirtschaftlicher
Interessen.
1979 erwarb die Haus-Meer Bau- und
Betriebs GmbH, deren Gesellschafter der
ehemalige Bürgermeister von Meerbusch
Dr. Ernst Handschumacher war, das
Gelände. Noch im gleichen Jahr geht es in
den Besitz der heutigen ARAG- Gruppe Abbildung 5: Mühle Haus Meer (STA Mb,
über, in der Dr. Handschu Fotoarchiv Haus Meer)
macher Aufsichtsratvorsitzender war. Dabei ging es immer wieder um die Mühle
In der Reihe der Besitzer folgten die Dr. von Haus Meer, die als bedeutendes
Rüger Gruppe aus Köln mit diversen Industriedenkmal eingestuft wurde.
13
Morgner, Frank, Ein Kloster wird
herrschaftliches Schloss, in: Meerbuscher
15
Geschichtshefte, Heft 1, 1984, S.57 Stadtarchiv Meerbusch, Findbuch, Büderich 2,
14
www.schloss-bloemersheim.de/meer/haus3 lfd. Nr. 1001
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6
2. Besitzverhältnis: Freiherr Friedrich von
der Leyen – Büderich, Haus Meer
3. Gefährdung : Das bedeutungsvolle
Kulturdenkmal wird, da keine
Erhaltungsarbeiten aufgewendet, in Kürze
verloren sein.
…....
6. Besondere Bemerkungen: seit Jahren ist
von hier immer wieder auf den Schutz der
Mühle hingewiesen worden; es ist von der
Veränderung und dem drohenden Verfall
Abbildung 6: Hölzernes Mühlwerk (STA Mb, berichtet worden; geschehen ist bisher
Fotoarchiv Haus Meer) nichts. Aller Wahrscheinlichkeit nach steht
1934 forderte der Landrat vom Bürger- die Mühle vor dem Abbruch.“17
meister in Büderich eine Zusammen-
stellung wichtiger Kulturdenkmäler. Dazu Nach dem 2. Weltkrieg am 17.4.1946
sollte ein Fragebogen für jedes Denkmal möchte der Regierungspräsident von
ausgefüllt werden. Am 2.10.1934 wurden Düsseldorf ein „vorläufiges Verzeichnis
die ausgefüllten Fragebögen zu folgenden Denkmalwerter Bauten“ von der Gemeinde
Denkmälern an den Landrat in Greven- Büderich. Am 29.5.1946 wurden folgende
broich geschickt: denkmalwerte Bauten von der Gemeinde
• Mühle von Haus Meer dem Regierungspräsidenten gemeldet:
• Kirchturm in Büderich • Turm der alten Pfarrkirche
• Haus Meer • Klostermühle Haus Meer
• Niederdonker Kapelle • Schloß Meer
• Inselgut Mönchenwerth • Inselgut Mönchenwerth
• Dickhof16 • Niederdonker Kapelle
Im Fragebogen zu Haus Meer steht unter • Wasserburg Dyckhof. 18
dem Punkt „Gefährdung“ folgendes: „ Es wurden dieselben Denkmäler wie 1934
nein, Verfall der Flügel allmählich aufgelistet, nur sind sie inzwischen teils
beginnend“. Zugleich wird unter dem durch Vernachlässigung der Eigentümer,
Punkt „Besondere Bemerkungen“ die teils natürlich auch durch
Hoffnung ausgedrückt, dass das Schloss Kriegseinwirkungen arg in Mitleidenschaft
„als Familiensitz wohl erhalten“ bleibt. gezogen.
Für die Mühle von Haus Meer sah die
Zukunft düster aus. Die Punkte des
Fragebogens wurden von der Gemeinde
Büderich wie folgt ausgefüllt:
„1. Beschreibung: Klostermühle Haus
Meer – historisch und technisch
interessante Wassermühle mit Gebäude
und Inneneinrichtung, nachweisbar bis
1166. Seit mehreren Jahren ist die Mühle
stark gefährdet, da der Besitzer an der
Erhaltung wenig Interesse zu haben
scheint.
16 17
Stadtarchiv Meerbusch, Findbuch, Büderich 2, ebenda
18
lfd. Nr. 995 ebenda
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7
des ehemaligen Klosters gegeben. Die
Heimatkreis Büderich als Motor des Gemeinde Büderich und der Landkreis
Denkmalschutzes Grevenbroich beteiligten sich finanziell an
den Ausgrabungen. 20
1953 gründete eine Gruppe von
interessierten Bürgern den Heimatkreis In einem Brief an den Landeskonservator
Büderich, der sich der Heimatpflege und vom April 1962 beklagte sich der
Heimatforschung widmen will. Bis zu Heimatkreis über den schlechten Zustand
seinem Tod 1963 leitete Franz Hellmich des Pavillons. Schon 1955 hatte die
den Heimatkreis. Gemeinde Büderich die Renovierung des
Diese Gruppe wurde auf vielen Feldern Teehäuschens gefordert.21 Es sollte noch
aktiv. Hier wird nur das Engagement für
Haus Meer herausgegriffen. Der
Heimatkreis hielt engen Kontakt zum
Rheinischen Landesmuseum in Bonn
insbesondere zu Dr. Kisky, dem
Landesverwaltungsrat und Konservator.
Als 1959 die Schlossruine gesprengt
wurde, benachrichtigte Franz Hellmich den
Landeskonservator, der von der Maßnahme
keinerlei Kenntnis hatte. Aus dem
Bauaktenarchiv Haus Meer erfährt man,
dass der „Abbrucherlaubnisschein“ am
11.9.1959 vom Kreisbauamt des
Landkreises Grevenbroich erteilt wurde. In
letzter Minute konnte Dr. Kisky besondere
Werksteine kennzeichnen, und der Abbildung 7: Pavillon um 1955 (STA Mb,
Fotoarchiv Haus Meer)
Heimatkreis stellte die Steine auf dem
sogenannten Vorratsgelände der Böhler bis zum Jahre 1994 dauern, bis endlich die
Siedlung sicher. Bis heute blieb die Frage Stadt Meerbusch auf dem Wege der
ungeklärt, wo diese Fundstücke geblieben Ersatzmaßnahme mit den
sind. Instandsetzungsarbeiten begann. 1995 war
Im gleichen Jahr regte der Heimatkreis das Wahrzeichen der Stadt in einem
Grabungen im Bereich der Niederungsburg würdigen Zustand. Alle Verhandlungen auf
– Motte- und auf Haus Meer an. Er suchte einen Übergang in städtischen Besitz sind
Verbündete in der Gemeinde, im Kreis, bis heute gescheitert. 1980 wurde das
beim Landschaftsverband und beim Teehäuschen mit Hilfe des neuen
Rheinischen Landesmuseum. Der Denkmalschutzgesetzes „vorläufig unter
Heimatkreis stellte eine Schutz gestellt“. 1982 erfolgte die
Gesamtkostenschätzung auf und führte förmliche Unterschutzstellung als
Verhandlungen mit der Baronin von der Baudenkmal lfd. Nr. 8 der Denkmalliste
Leyen. Letztlich erarbeitete er ein genaues der Stadt Meerbusch.22
Konzept für die Grabungen, besorgte auch
Arbeitsmittel und vermittelte
Unterkünfte.19 Kurzum ohne den
Heimatkreis wäre weder die Motte
ausgegraben worden, noch hätte es die
Grabungen von Hugo Borger im Bereich 20
ebenda
21
ebenda, lfd. Nr. 995
22
Lutum, Reinhard, Der romantische
19
Stadtarchiv Meerbusch, Findbuch, Büderich 2, Gartenpavillon von Haus Meer, in Meerbuscher
lfd. Nr. 1008 Geschichtshefte, Heft 12, 1995, S.7ff
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8
Das Bodendenkmal Haus Meer wurde Eine weitere Bauvoranfrage datiert vom
mehrfach archäologisch untersucht: 30.12.1959. Dabei möchte der Osterather
1963 von Borger, Architekt Müllenbruck im Schlosspark „ 4
1996 Grabung Land, je 8-12 geschossige Punkthäuser“ erbauen.
2001 Untersuchung Ocklenburg23. Interessant ist die sehr schnelle Antwort
des Gemeindedirektors Dr. Jüngerkes vom
Immer gab es reichen Befund. Da die 18.1.1960. Er weist auf den vor kurzem
Untersuchungen an ganz unterschiedlichen vom Gemeinderat verabschiedeten
Stellen im Gelände durchgeführt wurden, Leitfaden hin, der den „Pavillon, die
kann man davon ausgehen, dass das baulichen Reste des alten Schlosses und
gesamte Gelände „archäologisch den Torbogen unter Denkmalschutz“ stellt.
verseucht“ ist. Das erklärt auch die „Der gesamte Park ist als private
archäologischen Prioritätenzonen, die im Grünfläche ausgewiesen.“ Dr. Jüngerkes
Gutachten ausgewiesen sind24. führt dann aus, dass durch die festgelegte
Leitplannutzungsart sich die Bauanfrage
Im Zusammenhang mit dem neuen von selbst erledigt. Die Bauvoranfrage war
Denkmalschutzgesetz von 1980 übrigens ohne Kenntnis der Eigentümerin
beschäftigte sich der Kulturausschuss in erfolgt.26
den folgenden Jahren mit der Aufstellung In der Planungsausschusssitzung vom 6.
der Denkmalliste. Es ist unverständlich, Mai 1960 wurde der Antrag der Baronin
warum bei Haus Meer der alte von der Leyen „Aufschließung des Parkes
Denkmalschutz der Gemeinde Büderich Schloss Meer zu Bauzwecken“ behandelt.
nicht übernommen wurde. In Sachen Haus Im Protokoll steht: „….Ansinnen wird
Meer kümmerte sich der Ausschuss nur um abgelehnt; Verwaltung wird beauftragt mit
das Teehäuschen und die Sicherung eines der Baronin in Verbindung zu treten und
römischen Sarkophags aus dem zu erwägen, das Gelände für die Gemeinde
Gewölbekeller des ehemaligen Klosters, zu erwerben.“27 Dr. Jüngerkes als
der heute im Keller des Meerbusch Gemeindedirektor führte diese
Gymnasiums eine traurige Bleibe gefunden Verhandlungen. In der Sitzung des
hat. Hauptausschusses vom 15.7.1960
berichtete er über die Verhandlungen und
Bebauungsvorstellungen nach dem erhielt ein weiteres Mandat, mit der
2. Weltkrieg im Spiegel der Akten Baronin einen günstigen Kaufpreis
auszuhandeln. 28 Leider geben die Akten
Bebauungspläne für Haus Meer nach dem auch in diesem Fall keine weiteren
2. Weltkrieg tauchten erstmals 1958 auf. In Auskünfte, warum dieser aus heutiger
der Bauausschuss-Sitzung vom 15.4.1958 Sicht zukunftsweisende Beschluss nicht
wurde über die „Aufschließung des umgesetzt werden konnte. Wie wir wissen,
Parkgrundstückes Schloss Meer“ beraten. verkaufte Baronin von der Leyen das
Dem Ausschuss lag ein Antrag des A. Grundstück an den Gesamtverband der
Siebrecht, Hotel Continental in Düsseldorf, evangelischen Kirchengemeinden in
vor, der „ in den noch neu aufzubauenden Düsseldorf.
Gebäudeteilen des zerstörten Schlosses ein
Cafe-Restaurant“ errichten will.25 Der 1967 wird vom Evangelischen
Ausschuss empfahl dem Rat, dem Antrag Gemeindeverband eine neue Erschließung
zu zustimmen. Aus den Unterlagen der des Grundstücks von der Bundesstraße 222
Gemeinde Büderich geht nicht hervor, beantragt.
woran diese Pläne scheiterten.
23 26
Vollmer-König,a.a.O., S.110 Bestand Bauakten Archiv Haus Meer
24 27
ebenda, S.122 STA Mb, Findbuch Büderich II, lfd. Nr. 97
25 28
STA Mb, Findbuch Büderich II, lfd. Nr. 94 ebenda, lfd. Nr. 91
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9
Regierungspräsidenten endgültig
verabschiedet. Interessanterweise geht es
bei den Auflagen des
Regierungspräsidenten vor allem um den
Schutz des Parks auf der Grundlage des
Gutachtens des Landschaftsarchitekten
Helmut Nosbüsch vom 25.10.1973. Die
Auflagen besagen auch, dass… „ Nach
Fertigstellung des Bauvorhabens ist der
Park der Öffentlichkeit zur Verfügung zu
stellen.“30
Am 9.5.1973 fand in Haus Lörick die
Gründungsversammlung des Vereins Haus
Meer statt, der Träger des geplanten
Altenheims sein soll. Bürgermeister Dr.
Handschumacher und Stadtdirektor
Sonnenschein gehören dem Verein an.
Dieser Verein wollte nun das Projekt
vorantreiben. Er stellte am 28.5.1973 eine
Bauvoranfrage und am 21.6.1974 einen
Bauantrag zur Errichtung eines Altenheims
Abbildung 8: Zur Erinnerung - Alte Toreinfahrt (Wohnstift) Haus Meer.
(STA Mb, Fotoarchiv Haus Meer) Die Mitgliederversammlung des Hauses
Meer e.V. stellte am 23.9.1976 fest, dass
Der Planungsausschuss befürwortete eine
mit der Realisierung des Bauvorhabens in
Toreinfahrt auf das Grundstück Park Haus
absehbarer Zeit nicht zu rechnen sei, daher
Meer von der Uerdinger Straße, da „ die
sollte der Bauantrag „zum Ruhen gebracht
Belange der Gemeinde Büderich nicht
werden“. Als Gründe für dieses Vorgehen
beeinträchtigt werden.“29In diesem
wurden die veränderte Situation durch die
Zusammenhang


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