• Myositis ossificans


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    • Abstract: Myositis ossificans. Oguzhan Zagralioglu, Stefan Bölter. Radiologische Abteilung, Spital ... auf eine Myositis ossificans (MO) werden ein konven- tionelles Röntgen ...

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Myositis ossificans
Oguzhan Zagralioglu, Stefan Bölter
Radiologische Abteilung, Spital Bülach
Ein 18-jähriger Rugbyspieler wird mit Schmerzen im ten Verkalkung in der Tiefe der Oberschenkelmuskula-
Bereich des proximalen Oberschenkels links zugewie- tur (Abb. 2 x). Es lässt sich hier nicht definitiv sagen,
sen. Es besteht der klinische Verdacht auf ein Weich- wie gross der Abstand zum Knochen ist oder ob even-
teilhämatom nach stumpfem Trauma. Zunächst wird tuell Kontakt besteht. Der Femur ist unauffällig. Das
eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Diese zeigt typische Rindenzeichen (geschichteter Aufbau) ist sicht-
in der Tiefe der Muskulatur, nahe der Femurdiaphyse bar. In der MR-Tomographie findet sich ein sehr
ventrolateral, eine schattengebende Raumforderung, ausgedehnter Befund mit grossem Ödem in den flüssig-
die sich in Längsausdehnung über ca. 11,5 cm er- keitssensitiven Sequenzen und sehr heterogener Textur.
streckt. Der Befund hat eine ovaläre Form und eine un- In der T1-Gewichtung sind frische Einblutungen sicht-
regelmässige Oberfläche. Aufgrund der Schallschatten- bar. Die normale Anatomie ist erhalten (Abb. 3 x).
bildung ist von Verkalkungen auszugehen (Abb. 1 x). Nach intravenöser Kontrastmittelgabe zeigt sich ein
Ein frisches Hämatom findet sich nicht. Bei Verdacht kräftiges unregelmässiges Enhancement in der Musku-
auf eine Myositis ossificans (MO) werden ein konven- latur. Der Knochen ist normal, die Verkalkungen sind
tionelles Röntgen sowie ein MR der Oberschenkel- dunkel (Abb. 4 x).
weichteile empfohlen. Dies zur Dokumentation der ge- Aufgrund der Bildgebung ist von rezidivierenden
nauen Grösse des Befundes und zum sicheren stumpfen Oberschenkeltraumen auzugehen, die der Pa-
Ausschluss eines Malignoms. Die Röntgenaufnahmen tient beim Rugbyspielen erlitten haben muss. Die Ver-
zeigen einen typischen Befund mit einer glatt begrenz- kalkungen stammen sicher von einem älteren Trauma,
das frische Blut von einer neueren Verletzung. Da im
Verlauf eine rasche klinische Besserung auftrat, waren
keine weiteren diagnostischen oder therapeutischen
Massnahmen nötig. Es wurde empfohlen, nach sechs
Monaten ein Kontroll-MRI durchzuführen.
Die MO (auch genannt Myositis ossificans localisata
traumatica) ist ein lokalisierter, selbstlimitierender be-
nigner Verknöcherungsprozess, der oft als Reaktion auf
ein Weichteiltrauma entsteht. Es findet sich oft eine un-
spezifische Klinik und im Idealfall eine «klassische»
Bildgebung. Der Befund zählt zu den tumorlike lesions.
Die Verknöcherungen müssen nicht zwangsläufig in
Abbildung 1 den tiefen Muskelschichten liegen. Es können auch
Ultraschall der Weichteile des proximalen Oberschenkels links. Knochennahe Raum­ kutane, subkutane, tendinöse oder subunguale Verkal-
forderung mit schattengebenden Verkalkungen. kungen auftreten. Man unterscheidet drei Typen: die
MO progressiva, die MO localisata traumatica und die
MO localisata nontraumatica.
Die Pathogenese ist unklar. Möglich ist, dass durch das
Trauma eine Umprogrammierung multipotenter Mes-
enchymzellen erfolgt. Dies führt zu einer Muskelver-
knöcherung. Wahrscheinlich fördert auch eine Hypoxie
der Muskulatur diesen Prozess. Die MO tritt häufig bei
jungen sportlichen Menschen im Alter zwischen 20 und
30 Jahren auf. Die Patienten klagen oft über eine
schmerzhafte Verhärtung in der Muskulatur, die grössen-
progredient ist. In etwa 2⁄3 der Fälle besteht ein Status
nach vorangegangenem stumpfem Trauma. Meist ist
die Extremitätenmuskulatur betroffen.
In den Röntgenaufnahmen zeigt sich eine länglich ova-
Abbildung 2 läre flaue Verkalkung mit geschichtetem Aufbau (Rinden-
Röntgenaufnahme des proximalen Oberschenkels links. Es finden sich in der Tiefe zeichen), die vom in der Nähe liegenden Knochen abge-
der Oberschenkelmuskulatur die typischen glattbegrenzten Verkalkungen einer MO.
setzt ist (Lückenzeichen). Im MRI zeigt sich ein sehr
Schweiz Med Forum 2010;10(10):196–197 196
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heterogenes Bild mit unruhigem Signal, bedingt durch
A B Flüssigkeit/Blut in Folge des Traumas, eines Ödems, re-
aktiver Veränderungen des Gewebes mit Hyperperfu-
sion und Verknöcherungen. Die Therapie der MO rich-
tet sich nach der Klinik. Bei Beschwerden im Sinne von
Schmerzen oder einer Bewegungseinschränkung wird
die operative Sanierung angestrebt. Wichtig ist, die
MO nicht zu früh zu operieren, da erst nach sechs bis
zwölf Monaten ein stabiler/reifer Zustand eingetreten
ist und es bei früherer Intervention zu einem Rezidiv
kommen kann. Bei symptomlosen Patienten erfolgt
keine Therapie.
Unter Umständen kann es schwierig sein, die MO von
einem muskulären Tumor zu unterscheiden. So kann
Abbildung 3
MR des linken Oberschenkels. ein Rhabdomyosarkom ähnlich aussehen. Aus diesem
A In der flüssigkeitssensitiven STIR­Sequenz zeigt sich ein sehr heterogenes, aus­ Grund ist eine MR-Verlaufskontrolle sinnvoll [1–3].
gedehntes Ödem in der Oberschenkelmuskulatur (Pfeile). Die Verkalkungen sind als
dunkle (hypointense) Streifen erkennbar, freie Flüssigkeit (Blut) ist weiss. Die Realisierung dieses Fallberichts war dank der
B Die T1­gewichtete axiale Schnittführung zeigt hyperintense Einblutungen und eine
freundlichen Unterstützung von Herr Dr. Thomas Win-
weitgehend erhaltene normale Anatomie (Pfeil). Kein sichtbarer Kontakt zum Knochen.
ter, zuweisender Arzt aus Oberglatt (FMH Innere Medi-
zin), möglich, der uns die klinischen Informationen zur
A B Verfügung gestellt hat.
Korrespondenz:
Dr. med. Oguzhan Zagralioglu
Röntgeninstitut
Spital Bülach
CH-8180 Bülach
oguzhan.zagralioglu@gmail[email protected]
Literatur
1 Stoller (Hrsg.): Diagnostic imaging: Orthopaedics, Saunders Verlag.
2 Stoller (Hrsg.): MRI in orthopaedics and sports medicine, Lippincott
Williams & Wilkins Verlag 2007.
Abbildung 4 3 Greenspan: Skelettradiologie, Urban und Fischer Verlag 2007.
A Coronale T1­gewichtete Aufnahme nach i.v.­Kontrastmittelgabe. Heterogene Hyper­
perfusion eines grossen Bezirks in der tiefen Oberschenkelmuskulatur links (Pfeile).
B Axiale T1­gewichtete Sequenz nach i.v.­Kontrastmittelgabe. Diese zeigt ebenfalls ein
sehr kräftiges reaktives Enhancement der Oberschenkelmuskulatur bis an den Knochen
(Pfeile). Normales Knochensignal. Keine tumorsuspekte Destruktion der normalen
Anatomie.
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